Von der Vision zur Erfolgsgeschichte in der Hotellerie 

In dieser Episode unseres Business Interviews Podcasts sprechen wir mit Klaus Kobjoll. Klaus ist inzwischen seit über 50 Jahren in der Hotellerie und Gastronomie unternehmerisch tätig.

Über die letzten Jahrzehnte hat er den Schindlerhof über mehrere Baustufen zu einem Hoteldorf ausgebaut, das inzwischen über 140 Großveranstaltungen im Jahr organisiert. Im Interview teilt er seine Erfahrungen und Insights, die ihm dabei geholfen haben, seinen Betrieb über viele Jahre erfolgreich zu machen und zu halten. 

3 Learnings des Gesprächs: 

  • Wieso Pachten langfristig nicht die richtige Strategie für den unternehmerischen Erfolg ist. 
  • Warum der Mitarbeiteraktienindex heute nicht mehr so angenommen wird, wie früher. 
  • Wie man sich auch in Zeiten von Krisen und Herausforderung die Selbstständigkeit aufbauen kann. 

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Vom Flüchtlingskind zum Erfolgsgastronomen

Klaus bezeichnet sich selbst als “völlig ungeeignet als Angestellter”, was auch der Grund für seine unternehmerischen Tätigkeiten ist. Mit einem Eigenkapital von 950 D-Mark (ca. 485 Euro Stand Juli 2025) hat er sich mit 22 in der Szenegastronomie selbständig gemacht.  

Vom Jazzclub über die mexikanische Bodega bis hin zum französischen Bistro hatte er 9 Eröffnungen, bis es bei der 10. dann den Schindlerhof eröffnete. Dafür hat er alle Szenelokale verkauft, einen 350 Jahre alten Bauernhof erworben und diesen zu einem großen Hotel- und Gastronomiebetrieb ausgebaut. So entstand der Schindlerhof

Als Flüchtlingskind aus dem heutigen Polen und Russland wusste er bereits mit 15 Jahren, dass er einmal eine neue Familiengeschichte schreiben möchte. Seine Motivation brachte ihn dazu, ein Unternehmen zu gründen, das langfristig Bestand hat. Die Hotellerie hat ihn dabei besonders interessiert, da man in dieser Branche reisen und mehr von der Welt sehen konnte. 

Daher startete er auch in einer Hotelfachschule am Tegernsee, wo er ein Stipendium für eine französische Hotelfachschule bekam, Praktika in Südfrankreich und London machte und sich danach direkt in die Selbstständigkeit begab. 1970 hat er sich selbstständig gemacht und 1984 schließlich den Schindlerhof eröffnet. 

Gründe für Misserfolge vor dem Schindlerhof 

Die Szenelokale von Klaus waren alle erfolgreich. Allerdings agierte er bei diesen immer nur als Pächter. Erst nach Jahren verstand er, dass er durch einen Kredit und mit Hilfe der Bank auch Eigentum finanzieren kann. 

Sein größter Fehler vor der Eröffnung des Schindlerhofs war es, viel Geld in Gebäude zu investieren, die letztlich nicht seine eigenen waren. Diese Immobilien haben durch seine Investitionen enorm an Wert gewonnen, aber als Pächter hatte er nicht viel davon. 

Trotzdem waren diese Jahre keine Vergeudung. Klaus musste sich erst einen Namen machen, um 14 Jahre später von der Bank entsprechende finanzielle Unterstützung zu bekommen, um einen alten Bauernhof um- und auszubauen, damit dort der Schindlerhof entstehen konnte. Heute ist der Schindlerhof ein renommiertes Tagungs- und Businesshotel mit einem Team von 60 Leuten. Wobei neben geschäftlichen Events auch Geburtstage und Hochzeiten dort stattfinden: 

  • 140 Großveranstaltungen 2025 (Geburtstage, Hochzeiten) 
  • 1.300 Tagungsveranstaltungen 2025 

War früher alles besser? 

Vielleicht war nicht alles besser, aber laut Klaus war es früher als Gastronom um einiges einfacher, erfolgreich zu wirtschaften. 

  • Es gab weniger Bürokratie
  • Es gab Basel II und Basel III nicht (spezielle Bankenregulierung zur Risikominimierung) 
  • Verträge wurden teilweise per Handschlag geschlossen 

Das sind nur einige Beispiele von Klaus, die zeigen, wie aufzeigen, warum es früher weniger Hürden in der Hotellerie oder Gastronomie gab als heute. Das familiengeführte Unternehmen hat aber trotzdem schon viele Krisen erfolgreich überstanden. Klaus führt den Betrieb mit seiner Tochter und seiner Frau, die beide Mitgründerinnen sind. 

Der Schindlerhof in Zahlen 

Klaus und seine Familie haben entschieden, dass das Unternehmen nicht mehr quantitativ wachsen soll. Alle Gründe rund um den Schindlerhof sind bereits im Besitz der Familie Kobjoll und es wurden bereits viele Investitionen getätigt: 

  • Der Schindlerhof umfasst 10m2 Baugrund 
  • 21 Millionen Euro wurden in den Um- und Ausbau des Areals investiert 
  • Wiederherstellungswert leiht bei 32 Millionen Euro 

Das bedeutet aber nicht, dass der Schindlerhof nicht im Umsatz wachsen soll. Es heißt lediglich, dass sich die Familie mehr auf das qualitative Wachstum fokussiert. Wodurch die Auslastung und Preise steigen und somit im besten Fall auch ein höherer Gewinn erzielt werden kann. 

Ohne Wachstum geht es nicht. Aber vorübergehend möchte sich der Schindlerhof auf Qualität statt Quantität konzentrieren. Die jetzige Größenordnung ist ideal, da die Kapazität der Zimmer auch zu den Kapazitäten der Küche und Eventräumlichkeiten passt.  

Dabei setzt der Schindlerhof auf Individualität. Anstatt beispielsweise stündlich die Preise zu ändern, arbeitet das Hotel mit einer Fixpreisgarantie. Sodass alle das gleiche bezahlen, egal welche Jahreszeit. Daher kommen Gäste auch gerne wieder und schätzen die Ehrlichkeit bei der Preisgestaltung.   

Tipps für die Personalführung 

Der Schindlerhof hat schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen und ist auch bekannt als einer der besten Hotelier-Arbeitgeber Europas. Klaus hat bereits vor Jahrzehnten kommuniziert, dass bei ihm die Mitarbeiter an erster Stelle stehen, dann die Gäste und dann erst die Stakeholder. 

Er hat schon immer auf Wertschätzung gesetzt, weshalb selbst seine Lehrlinge einen Dienstwagen (Fiat Panda) erhielten. Heutzutage ist das bei vielen Betrieben Standard, früher waren diese Zeichen der Wertschätzung ein Alleinstellungsmerkmal. Deshalb hat er bis heute kaum Probleme, talentiertes Personal zu finden. 

  • Menschen in Führungspositionen bleiben im Schnitt 7 Jahre in dem Tagungshotel. 
  • Menschen, die keine Führungsposition im Schindlerhof einnehmen, verlassen den Betrieb nach etwa 3 Jahren. 
  • Es gibt einige Fachkräfte, die seit fast 30 Jahren bei Familie Kobjoll tätig sind. 
  • 8 Personen sind nach einigen Jahren wieder in das Arbeitsverhältnis im Schindlerhof zurückgekehrt. 

Klaus Tochter spricht als Geschäftsführerin nicht von Mitarbeiterbindung sonder Mitarbeiterverbindung. Diese Verbindung geht über das Arbeitsverhältnis hinaus, weshalb es auch immer wieder Rückkehrer im Team gibt. 

Bücher von Klaus Kobjoll

Als Klaus Kobjoll 1990 zum Hotelier des Jahres gekürt wurde, entstand großes mediales Interesse. Denn plötzlich wollten alle wissen, wie er zu seinem unternehmerischen Erfolg kam. Daher begann er Vorträge zu halten. Einer seiner ersten Vorträge wurde von einem Zürcher Rechtsanwalt aufgenommen und später mit Klaus Einverständnis in einem Buch niedergeschrieben. 

Nachdem dieses Buch zehntausende Male in Deutschland und über die Grenzen des Landes hinaus verkauft wurde, kam es so zu 5 weiteren Büchern. Heute macht Klaus nur noch ab und zu Keynotes im Schindlerhof, sonst hat er das Seminargeschäft zur Ruhe gelegt.  

Wie funktioniert der Mitarbeiteraktienindex? 

Der Mitarbeiteraktienindex wurde unter anderem von Klaus ins Leben gerufen, um sein Team zu unterstützen. Denn viele seiner Mitarbeiter wussten nach kurzer Zeit im Unternehmen, dass sie selbst mal einen eigenen Betrieb führen möchten. Und hier kommt der Mitarbeiteraktienindex ins Spiel. 

Er besteht aus verschiedenen Kriterien, mit denen sich die Mitarbeiter selbst einmal im Monat beurteilen können. Dabei müssen sie Fragen beantworten wie z.B.: 

  • Wie innovativ bin ich im letzten Monat gewesen? 
  • Habe ich Verbesserungsvorschläge abgegeben? 
  • Wie ist mein unternehmerisches Denken? 
  • Kann ich Entscheidungen eines Unternehmers nachvollziehen? 

Diese und weitere Fragen können Mitarbeiter monatlich online beantworten und sie dann an Führungskräfte weiterleiten. Diese checken dann die Antworten, um jeden Monat ein Ranking zu erstellen. Die Vergleichswerte sollen einem ein Bild zum eigenen Fortschritt geben und als Motivation dienen. 

Da dieser Index aber nicht mehr ganz zeitgemäß ist, wurde er 2024 abgeschafft. Klaus meint, dass die jüngere Generation gut arbeitet, aber weniger Interesse an solchen Vergleichswerten oder der Selbstständigkeit zeigt. 

Tipps vom Erfolgsgastronomen 

Auch ein erfolgreicher Hotel- und Gastrobetrieb wie der Schindlerhof ist vor Krisen nicht gefeit. Daher gibt es einige Maßnahmen zur Kostenreduktion: 

  • Die Arbeitszeit wurde von 45 Wochenstunden auf 40 Stunden reduziert (11% weniger Arbeitszeit) 
  • Das Bruttogehalt wurde daher auch um 8% gekürzt 
  • Erstmalig gibt es mittags kein À-la-Carte-Essen 
  • Außerdem gibt es 1,5 Ruhetage pro Woche 

Es braucht eine Arbeitgebermarke. Diesen Tipp gibt Klaus allen Unternehmern. Allerdings baut man dieses Image nicht innerhalb weniger Monate auf. Um eine gute Arbeitgebermarke aufzubauen und somit als beliebter Arbeitgeber bekannt zu sein, braucht es Jahre. 

Klaus unterstützt seine Mitarbeiter wo er kann. Daher arbeiten sie auch gerne bei und für ihn. Für Menschen mit Ambitionen, sich selbstständig zu machen, hat er den Tipp, es zu tun, bevor man zu viele andere Verpflichtungen im Leben hat. 

“Freedom is just another word for nothing else to lose” – Solange man nichts zu verlieren hat, fällt es einem leichter, sich selbstständig zu machen. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es. 

Das heißt aber keineswegs, dass man sich mit 35 und einer eigenen Familie nicht selbstständig machen kann. Man muss allerdings unbedingt darauf achten, eine Finanzierungsmöglichkeit zu finden, bei der man selbst nicht privat haftet. 

Wo man Klaus findet:

Hier geht’s zur Website vom Schindlerhof: https://www.schindlerhof.de/ 

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